Late Night Qadrupel Feature

An einem Wochenende wie diesem schau ich eine Reihe Filme, aber nur selten sind sie alle so gut, dass ich der Welt davon erzaehlen moechte. Diesmal war es aber so und daher platz frei fuer snauth's quadrupel-feature of January.

Zuerst versuchte ich ja ehrlich Ridley Scott's Tristan und Isolde anzuschauen, aber - das verstand ich erst spaeter - das Casting war fuer den Arsch: Ein Typ als Tristan, der ohne jegliche Veraenderung bei einer aktuellen Zara Werbung haette mitmachen koennen (mit der Kleidung!) und eine Isolde, die ungefaehr so aufregend ist wie jede dritte meiner Studentinnen (ich mag meine Studentinnen, aber nicht so), das macht einfach keinen faszinierenden Film.
Daher nun zu den wirklich interessanten Filmen: Dem Oscar-premierten Crash, dem DDR-Film "Das Leben der Anderen" und Barbara Alberts Oesterreichisches Aaltman-Film: Boese Zellen.
Aber eins nach dem anderen:

  1. Crash
    Der "Akademiepreis" ist ja immer entweder ein Preis fuer Erfolg, der eh schon da ist (der Teufel scheisst auf den groessten Haufen), oder er ist "mutig". Diesmal war er mal wieder "mutig" und liess sogar ein bisserl Selbstkritik zu: Da wo all diese Filme gemacht werden gibt es Rassismus satt, das gesteht er ein. Sogar im Showbiz!!! Natuerlich muss er dabei melodramatisch sein und da ist er dann am schwaechsten, wenn unwahrscheinliche Zufallswiedertreffen entscheidend werden. Altman und Co machen das besser, obwohl es ja gar nicht so schwierig sein duerfte, die Stories ein bisschen realistischer ("the odds") zu verknuepfen. Trotzdem schoen, dass es keine Boesen und Guten gibt, alle sind mit der Zeit im Netz des Rassismus gefangen, und gute Melodramatik zapft mir immer mal wieder die eine oder andere Traene ab - was ja schonmal was ist.
  2. Das Leben der Anderen
    Die DDR ist tot und ich bin ein Westler. Aber ich bin ein bisschen stolz darauf, immer gewusst zu haben, dass die DDR genauso Deutschland war wie die BRD, immer schon - und ich sage das mit all den Vorbehalten gegenueber Deutschland, die man haben kann. Genug vom ich, mehr vom Film: Verstrickungen und Heldentaten, der Film sagt, dass die Heldentat gerade eben in der Verstrickung lag und den Einflussmoeglichkeiten, die sich daraus ergaben. Ich bin bereit das zu akzeptieren, gerade weil der Film auch die Konsequenzen des verstrickten Widerstandes zeigt: Jenseits der "Dichter" und "Intellektuellen" ist immer Raum fuer Abweichung und vielleicht sogar mehr Raum fuer Heldenmut. Unsichtbaren Heldenmut, mit unsichtbarem Leiden als Folge.

  3. Boese Zellen
    Barbara Alberts Segment in "Visions of Europe" war der Grund dafuer, dass ich mir diesen Film ansah. Und es war in der Tat ein guter Grund: Der Blick in ihre Vita war fast unnoetig, sie ist natuerlich ungefaehr gleich alt wie ich. Und wo sie aufwuchs, Oesterreich, ist meinem Bayern sehr nah. Sie sieht also diese Zeit der 1990er aus Augen, die meinen nicht so verschieden sind. Und das muss auch mit ihrer sozialen Herkunft zu tun haben. Denn die Orte, die sie zeigt, kenne ich gut, und Orte (die Disco, das Heim, ...) sind bekanntlich auch sozial kodiert. Aber sie erzaehlt auch eine uebergeordnete Geschichte, fuer die ich ihr danken moechte: Liebe, Sex, Abhaengigkeit, Schuld, all diese klassischen Themen an Orten und Zeiten, die ich kenne zu verorten, sie dahin "upzuddaten", dafuer moechte ich ihr danken. Und vielleicht haben sie auch Relevanz darueber hinaus - da bin ich ganz parteisch.
Tags: